Du bist wertvoll

zierkirsche

„Du bist unendlich wertvoll!“, das kann ich gut in anderen Menschen und in mir erkennen, wenn ich mich dabei in einem geschützten Raum befinde. Dann kann mein Herz diese Worte fühlen, sie laut aussprechen und sich dem Gegenüber öffnen. Doch wenn mir der geschützte Raum fehlt, dann kann ich es zwar erkennen, doch ich kann es nicht laut mit Worten mitteilen. Es fühlt sich an wie eine Schranke in meinem Herzen, die die Worte nicht heraus lässt.

 Wo ist der Unterschied?

Ich kann den Unterschied ganz deutlich fühlen und sehen. Das Eine fühlt sich leicht und gut an. Es kostet mich keine Energie, ganz im Gegenteil ich fühle mich entspannt und gleichzeitig voller Energie.

Das Andere fühlt sich oft sehr schwer und zäh an und ich habe das Gefühl es kostet mich Energie. Auch wenn ich versuche mein Herz zu öffnen und die Liebe fließen zu lassen, fühle ich mich ausgelaugt und leer.

Die Situationen in denen es mir gut geht und ich die Leichtigkeit spüre, sind für mich Begegnungen auf Herzebene. Ich treffe auf Menschen, die ich kaum kenne und spüre dennoch eine tiefe Verbindung zu ihnen und zu mir.

Was fehlt mir?

Meine Begegnungen auf Herzebene finden dann statt, wenn ich mich in einem geschützten Raum befinde. Ein geschützter Raum ist für mich ein Ort an dem ich keinen Ansprüchen genügen muss, an dem ich einfach so sein kann wie ich bin. An dem es nicht wichtig ist, was im Außen gerade passiert. Ein Ort ohne Erwartungen und an dem ich nichts leisten muss.

Hier erkenne ich mein Gegenüber. Die Einzigartigkeit in seinem Wesen und sein ganzes Potential. Und ich erkenne mich. In diesem Raum bin ich ganz bei mir. Das erzeugt in mir Vertrauen in mich und in das Leben. Dadurch entsteht Leichtigkeit. Dann fällt es mir auch leicht die Worte auszusprechen. Da ist Dankbarkeit, Verständnis und Offenheit.

Doch wenn ich diesen Raum verlasse, dann verliere ich das Vertrauen und somit auch die Leichtigkeit. Ohne Vertrauen und Leichtigkeit schließt sich in meinem Herzen eine Schranke. Das Überwinden dieser Schranke fühlt sich schwer an. Egal wie viel Kraft ich aufwende, ich kann diese Schrank nicht bewegen. Das lässt mich oft verzweifeln. Ich spüre mein Herz, das offen ist und sich nicht ausbreiten kann, weil diese Schranke davor sitzt.

Was hält mich zurück?

Diese Schranke hält mich davon ab, mich in den Menschen in meinem nahen Umfeld zu erkennen, denn sie erinnern mich an meine abgelehnten Emotionen. Zwei dieser Emotionen sind Schwäche und Verletzlichkeit. Seit Jahren unterdrücke ich diese Emotionen und erlaube sie mir nicht. Und nur durch das Aufschreiben, kann ich gerade erkennen wie liebevoll mir das Leben genau diese Schwäche und Verletzlichkeit immer wieder vor Augen führt. Wie ich mit der Ablehnung dieser Emotionen, die Schranke immer weiter nach unten drücke. Wie ich selbst meinen eigenen Wert über folgende Sätze definiere:

„Nur die Starken gewinnen“, „Nur die Starken überleben“ und „Nur die Harten kommen in den Garten“

Wer bin ich ohne diese Gedanken?
Wer bin ich, wenn ich schwach und verletzlich bin?
Was bleibt übrig von mir?
Bin ich dann noch wertvoll?

Diese Fragen fangen langsam an in mir zu wirken. Ich erkenne, dass sie der Schlüssel zu meiner Schranke sind. Ich bin dankbar für die Erkenntnis und öffne mich für den Gedanken, dass Schwäche und Verletzlichkeit ein WERTVOLLER Teil von mir sind. Dieser Teil zeigt mir den Weg zu einem geschützten Raum in mir.

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3 Gedanken zu „Du bist wertvoll

  1. Liebe Jasmin,

    sehr schön geschrieben! Ich glaube in deinen Worten erkennen sich viele von uns wieder.

    Manchmal denke ich, dass sich in uns die Vorstellung festgesetzt hat, dass wir viele Menschen mit unserem Wesen einnehmen müssen um etwas wert zu sein. Nicht nur einige Einzelne, die uns lieben, so wie wir sind. Und dann ist unser Herz irritiert, weil es mit dem ein oder anderen nicht funktioniert und wir legen die Schranken vor um uns erst einmal zu schützen.

    Meine eigenen grundlegenden Angstgedanken sind „Du bist nicht gut genug.“ und „Du bist dumm.“ Obwohl ich genau weiß, dass das gar nicht so ist, blockiert mich das auf verschiedenste Weise und ich beginne Fehler zu machen, die genau dazu führen, dass diese Gedanken bestätigt werden. Sie drängen mich dann sozusagen aus meinem sicheren Raum (den ich eine sehr schöne Metapher finde).

    Nun habe ich begonnen mit „Ein Kurs in Wundern“ zu arbeiten. Darin heißt es „Deine Ängste sind bedeutungslos.“. Zuerst bin ich da wirklich drüber gestolpert, aber mittlerweile habe ich erkannt, dass das genau der Fall ist. Sie sind bedeutungslos. Denn wenn diese Angstgedanken weg sind, dann bin ich immer noch ich, nur das ich mich nicht mehr mit so falschen Gedanken identifiziere. Fast so, als hätte ich den Müll raus gebracht und mein Raum ist wieder ordentlich. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, dass er auch draußen bleibt. =)

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  2. Liebe Luisa,
    ich danke dir aus meinem Herzen für diesen liebevollen Kommentar. Ich finde das Bild „mit dem Müll rausbringen“ sehr schön. Ich befinde mich gerade auf einer Entdeckungsreise zu meinen Gedanken über mich. Auf dieser Reise entdecke ich oft Sätze die ich schon sehr lange gedacht habe und die mir langsam bewusst werden. Mit bewusst werden meine ich, dass mein Kopf die Gedanken schon lange erkannt hat und um sie weiß und dass sich nun auch mein Herz dafür öffnet.

    Ich habe gemerkt, dass sich hinter jedem meiner Gedanken ein Gefühl verbirgt das nur darauf wartet von mir gefühlt zu werden. Hinter meinem Gedanken „ich muss stark sein“, sitzt meine Angst nicht überleben zu können. Wenn ich mich nun entscheide dieses Gefühl nicht weg machen zu wollen, sondern es als ein Teil von mir annehme und es fühle, merke ich schnell wie sich das Gefühl Angst in Dankbarkeit und Liebe verwandelt. Und in dieser Verwandlung kann ich meinen alten Gedanken „stark sein zu müssen“ ebenfalls annehmen und ihn verwandeln. Ich kann mich dann für einen neuen Gedanken entscheiden. So wie es dein Bild so schön beschreibt: ich bringe den Müll raus und schaffe Platz für neues. 🙂
    Alles Liebe für dich,
    Jasmin

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  3. Pingback: Annehmen was ist. | Jasmin Collet

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